Mehr als 20.000 künstliche Knie- und Hüftgelenke implantiert

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Vor allem Routine und Erfahrung der Operationsteams schafft maximale Sicherheit / Neue Operationstechniken minimieren das Risiko und beschleunigen die Heilung 

In Deutschland werden immer mehr künstliche Knie- und Hüftgelenke eingesetzt: rund 400.000 pro Jahr. Mit der Häufigkeit der Operationen wächst die Zahl der Probleme nach solchen Eingriffen – vor allem in Kliniken mit nur wenigen Operationen. Die Statistik zeigt: Die Routine der Operateure ist ein entscheidender Faktor, damit Implantate passen und nicht nachoperiert werden muss. Die Orthopädische Klinik der Universität Regensburg in Bad Abbach wurde auch wegen der hohen Fallzahlen eines der ersten Endprothetik-Zentren der maximalen Versorgungsstufe. 20.000 künstliche Hüft- und Kniegelenke wurden in dem Asklepios-Klinikum vor den Toren Regensburgs seit der Jahrtausendwende eingesetzt. 

Die 10.000-ste Knieprothese wurde einem 56-jährigen Patienten implantiert, der unter massiven Anlauf- und Belastungsschmerzen litt und nur noch wenige 100 Meter am Stück gehen konnte. „Wenn jeder Schritt schmerzt, dauerhaft Schmerzmedikamente notwendig sind oder gar die Nachtruhe wegen einer Arthrose gestört ist, dann ist in der Regel der Gelenkaustausch unumgänglich“, sagt Klinikdirektor Professor Joachim Grifka.

Die 10.000-ste Hüftgelenkprothese erhielt eine 36-jährige Frau mit einer angeborenen Fehlbildung der Hüftpfanne, die zu einer vorzeitigen Arthrose geführt hatte. Zuletzt konnte die Patientin vor der Operation  sogar mit starken Schmerzmitteln nur noch wenige Meter laufen. Der Gelenkersatz war auch hier unumgänglich.

Operationstechniken aus Bad Abbach weltweit im Einsatz
Denn trotz der beeindruckenden Operationszahlen gilt im Klinikum Bad Abbach der Grundsatz: Vor der Implantation eines künstlichen Gelenkes an Knie oder Hüfte müssen alle anderen Therapieoptionen ausgeschöpft sein. „Wenn die Arthrose allerdings ausgeprägt und die Lebensqualität maßgeblich eingeschränkt ist, dann ist ein neues Gelenk ein Segen“, so Professor Grifka. 

Neue Operationsmethoden haben das Risiko einer Operation zum Gelenkersatz in den letzten Jahren immer weiter sinken lassen. So wurde im Klinikum Bad Abbach eine Operationstechnik entwickelt, bei der beim Gelenkersatz die Muskulatur nicht wie üblich mit dem Messer durchschnitten wird, was zu längerer Nachbehandlung und später auch zu Funktionsstörungen der Gelenkmuskeln führen kann. Die schonende Alternative ist ein kurzer Hautschnitt. Die Muskulatur wird danach nur mit den Fingern auseinandergedrängt und durch die Muskellücke das Implantat sicher und präzise positioniert. „Das Zusammenspiel von maßgeschneiderter operativer Planung, muskelschonender OP-Technik und dann das exakte Einbringen der Implantate sorgen für ein schmerzfreies Gelenk mit guter Funktion und langer Haltbarkeit“, sagt PD Dr. Günther Maderbacher, Oberarzt an der orthopädischen Uniklinik.

Zu den hohen Versorgungszahlen in Bad Abbach meint Prof. Grifka: „Durch die große Zahl der Operationen besteht absolute Routine im OP, auf Station und bei der Krankengymnastik. Wir haben hier auch alles vor Ort, wenn bei einer Operation ein spezielles Vorgehen erforderlich ist.“ 

Bei weniger als 50 Operationen pro Jahr steigt das Risiko
Die Statistik zeigt: Muss ein Knie- oder Hüftgelenk ersetzt werden, ist Präzision neben großer Erfahrung der Schlüssel für die erfolgreiche Implantation künstlicher Gelenke. Der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) zufolge werden aber in 40 Prozent aller Kliniken, die solche Eingriffe durchführen, weniger als 50 Patienten im Jahr operiert. Viel zu wenig, um ausreichende Routine und Erfahrung zu haben.

Speziell im Klinikum Bad Abbach wurden in den letzten Jahren Operationsverfahren entwickelt, von denen heute orthopädische Chirurgen in der ganzen Welt profitieren. Dazu zählen zum Beispiel die Navigationstechnik für eine präzise Implantat-Positionierung und der muskelschonende minimalinvasive Gelenkersatz. Der Erfolg dieser neuen Techniken ist messbar. Wie eine umfassende Studie zeigt, müssen beim Einsatz dieser neuen Methoden nach 10 Jahren nur zwei Prozent der Patienten ein zweites Mal auf den Operationstisch. Bei konventionellen Operationstechniken sind es drei Mal mehr. Auch der Heilungsprozess wird durch die neuen minimalinvasiven Eingriffe deutlich beschleunigt. Die Patienten sind in aller Regel bereits direkt nach dem Gelenkersatz schmerzfrei. Sie können schnell wieder aufstehen, können nach wenigen Tagen wieder Treppen steigen und sich selbst versorgen.

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